Vom knisternden Feuer sprühen Funken auf und verströmen schattenreiches Licht. Wenn es Abend wird, die Dunkelheit langsam in die letzten Fetzen des Abendrots sickert und sich das Grün von Büschen, Farnen und Bäumen zunehmend in dunkle Konturen wandelt – dann wird die Stille noch tiefer und durchdringender. Vom knisternden Feuer sprühen Funken auf und verströmen schattenreiches Licht.

Funken und Gedanken
Der Vulkanausbruch am Eyjafjalla-Gletscher macht uns bewusst, dass wir in einer Welt dauernder Veränderung leben, geformt von den Kräften der Natur. Naturereignisse können uns in sehr deutlicher Weise die Grenzen unserer hochtechnisierten Zivilisation aufzeigen. Die Natur plant nicht. Dauer und ständiger Wandel sind Grundgesten ihres eigenständigen Wesens. Unserer menschlichen Existenz kann ihr gestaltungskräftiges Sein Begrenzung oder Entfaltung bedeuten. "Um zu verstehen, wie sich Natur tatsächlich zu unseren Vorstellungen verhält, gibt es nur den Weg der Praxis: sich ihr auszusetzen." schreibt der Philosoph Reinhard Falter.
Einmal wollte ich in Norwegen einen nahen See erreichen, laut Karte ohne verzeichneten Weg. Zuerst versuchte ich es über den Lauf eines rauschenden Baches, musste aber wegen zu steiler Felsen meinen Weg ändern. An einem Wasserfall einige Meter hinab, konnte ich wieder normales Wegniveau erreichen. Einige Meter in Richtung See, der anhand meiner Karte zum Greifen nahe schien, musste ich mein Vorhaben abbrechen. Der See war unter normalen Umständen für mich nicht erreichbar. Ich schleppte mich bergan durch waldbodenbedeckende Blaubeerfelder. Dann begann es zu regnen. Meine Wanderstiefel waren durch und nach zwei Stunden, für ein Stück von 2-3 Kilometern, war ich wieder zurück und konnte nach einer heißen Dusche frühstücken.

Zugang, Anbindung, Wahrnehmung Zugang, Anbindung, Wahrnehmung
Wenn ich raus in die Natur gehe, mich auf eine Wanderung in den Wald begebe, dauert es eine gewisse Zeit, bis die Schicht des alltäglichen, zweckrationalen Ich-Zustands durchbrochen wird. Der Geist gewinnt Abstand, Ruhe und Zugang. In solchen Momenten lässt sich die Anbindung an die Naturatmosphäre erleben. Dem Zugang zum Sinnverstehen an die jeweilige Naturstimmung, wie es der Naturphilosoph Robert Josef Kozljanic beschreibt. Solange diese Anbindung nicht gelingt, wird die Natur nicht zu uns sprechen, sondern lediglich stumme, sprachlose Natur sein.

Wintersonnenwen.de ist der Versuch, die Reflexionsfähigkeit gegenüber diesem Erlebnis zu beschreiben. Die Momente, in denen sich eine Empfänglichkeit für unzählige Kleinigkeiten einstellt, die sich zu einem Ganzen zusammenfügen und erst dann ihre Gestalt offenbaren. Wenn eine Saite im Innern zum Schwingen kommt. Authentizität bedeutet für mich, dass ich versuche bei dem zu bleiben, was ich wirklich erlebt und empfunden habe. Also einer zunächst eher diffusen Atmosphäre ein konkretes Bild zu geben. Eine Naturstimmung zu erleben, um sie dann in der eigenen Darstellung zum Ausdruck kommen zu lassen.

... der Versuch, die Reflexionsfähigkeit gegenüber dem Erlebnis zu beschreiben. Kozljanic schreibt in Hagia Chora 15/2003 dazu in seiner naturphilosophischen Praxis: "Machen Sie nach einem gewissen zeitlichen und emotionalen Abstand (Tage, Wochen, Monate) und in ruhiger, ausgeglichener Verfassung die Probe aufs Exempel: Hat das herausgeborene Gedicht die lyrisch-magische Kraft, die erlebte Naturstimmung wieder heraufzubeschwören? Falls nicht, beginnen Sie den Prozess nochmals von vorne. Falls ja, ist der lyrische Naturzugang, eine tiefergehende Naturoffenbarung gelungen, und Sie können eine Interpretation wagen: Versuchen Sie, durch schonend-analytisches, interpretatorisches Vorgehen die in dem Gedicht enthaltenen Nuancen und Sinnzusammenhänge herauszuarbeiten, um so zu einem tieferen und umfassenderen Verstehen zu kommen."